Mitschrift bei Zeitnot

Da die Regeln im Schach immer wieder Fragen aufwerfen, können sie hier gestellt werden.
Regelkundige helfen dann die Antwort zu finden.

Mitschrift bei Zeitnot

Beitragvon Georg Heinze » 7. Nov 2011, 18:08

Beim letzten Mannschaftskampf gab es Unklarheiten bezüglich des Aufschreibens der Züge bei Zeitnot.
Sehen wir uns die betreffenden FIDE-Artikel näher an:
8.1 Im Laufe der Partie ist jeder Spieler verpflichtet, seine eigenen Züge und die seines Gegners auf korrekte Weise aufzuzeichnen, Zug für Zug, so klar und lesbar wie möglich, in algebraischer Notation (Anhang C), auf dem für das Turnier vorgeschriebenen "Partieformular". Es ist verboten, Züge im Voraus aufzuschreiben, es sei denn, der Spieler reklamiert remis nach Artikel 9.2 oder 9.3 oder bei einer Hängepartie gemäß Punkt 1.a der Richtlinien für Hängepartien.

Das ist also die allgemein gültige Festlegung, so wie wir es kennen.
Wann ist aber Zeitnot und was geschieht dann?
8.4 Wenn ein Spieler in einer Zeitperiode zu irgendeinem Zeitpunkt weniger als fünf Minuten Restbedenkzeit hat und er nicht für jeden Zug 30 Sekunden oder mehr hinzugefügt bekommt, ist er während der Dauer dieser Zeitperiode nicht verpflichtet, die Anforderungen von Artikel 8.1 zu erfüllen. Nachdem ein Fallblättchen gefallen ist, muss der Spieler seine Aufzeichnungen sofort, vor Ausführung eines Zuges auf dem Schachbrett, vollständig nachtragen.

D.h. also bei Spielen mit analogen Uhren ist man bei weniger als 5 Minuten Restbedenkzeit nicht mehr verpflichtet, mitzuschreiben. Das gilt für die 1. und 2.Zeitkontrolle..

8.5 a) Wenn gemäß Artikel 8.4 kein Spieler mehr mitschreiben muss, soll, wenn möglich, der Schiedsrichter oder ein Assistent anwesend sein und mitschreiben. In diesem Fall hält der Schiedsrichter, unmittelbar nachdem eines der Fallblättchen gefallen ist, die Uhren an. Daraufhin tragen beide Spieler ihre Aufzeichnungen unter Benutzung der Aufzeichnungen des Schiedsrichters oder des Gegners nach.

Nach dem Fallen eines Blättchens werden also die Uhren angehalten und die fehlenden Züge sind nachzutragen.

b) Wenn nur einer der Spieler gemäß Artikel 8.4 nicht verpflichtet ist, mitzuschreiben, muss er, sobald ein Fallblättchen gefallen ist, seine Aufzeichnungen vor Ausführung eines Zuges auf dem Schachbrett vollständig nachtragen. Vorausgesetzt, dass der Spieler am Zuge ist, darf er das Partieformular seines Gegners benutzen, muss es aber zurückgeben, bevor er zieht.

Hier wird also beschrieben, wie zu verfahren ist, wenn nur einer der beiden Spieler von der Mitschreibpflicht befreit ist
c) Wenn keine vollständige Aufzeichnung vorliegt, müssen die Spieler die Partie auf einem zweiten Schachbrett unter Aufsicht des Schiedsrichters oder eines Assistenten rekonstruieren. Dieser zeichnet als erstes, bevor die Rekonstruktion beginnt, die aktuelle Partiestellung, die Uhrzeiten und die Zahl der ausgeführten Züge auf, falls diese Angaben erhältlich sind.


Das ist das Problem, wenn die Aufzeichnungen nicht vollständig oder fehlerhaft sind. So einen Fall hatte ich mal und nach einiger Diskussion einigten sich die betroffenen Spieler auf remis, sonst hätte es ein Problem gegeben. Seitdem beauftrage ich immer einen Spieler, die Partiemitschrift zu machen, auch wenn nur ein Spieler weniger als 5 Minuten Restbedenkzeit hat und der Gegner vielleicht noch 6 oder mehr Minuten. Ich verlasse mich da nicht nur auf die Mitschrift des Gegners, der ohnehin auch in Zeitnot kommen könnte.

8.6 Wenn die Partieformulare nicht auf den aktuellen Stand gebracht werden können und somit nicht zeigen können, ob ein Spieler die Bedenkzeit vor Ausführung der verlangten Zahl von Zügen überschritten hat, gilt der nächste Zug als der erste für die folgende Zeitperiode, außer in dem Fall, dass nachweisbar mehr Züge gespielt worden sind.


Das ist sicher der absolute Ausnahmefall, der eigentlich nicht auftreten dürfte.
Es lässt sich also nicht nachweisen, dass bspw. die geforderten 40 Züge gespielt wurden, sondern vielleicht erst 39 oder schon 41 Züge. Es wird dann davon ausgegangen, dass die geforderten 40 Züge erfolgt sind und es mit dem 41Zug weiter geht..
G.H.
Georg Heinze
 
Beiträge: 1244
Registriert: 04.2011
Geschlecht:

Zurück zu "Regelkunde"



cron