50-Züge-Regel

Da die Regeln im Schach immer wieder Fragen aufwerfen, können sie hier gestellt werden.
Regelkundige helfen dann die Antwort zu finden.

50-Züge-Regel

Beitragvon Lothar » 30. Okt 2011, 16:58

Wie ist es eigentlich, wenn innerhalb von 50 Zügen keine Figur geschlagen und kein Bauer gezogen wird, die Stellung aber nachweislich nur in z. B. 66 Zügen zu gewinnen ist? :hmm
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Re: 50-Züge-Regel

Beitragvon Georg Heinze » 30. Okt 2011, 19:03

Eine interessante Frage!
Zunächst die betr. FIDE-Regeln:
5.1. e) Die Partie darf remis gegeben werden, falls mindestens die letzten 50 aufeinander folgenden Züge von jedem Spieler gemacht worden sind, ohne dass irgendein Bauer gezogen oder irgendeine Figur geschlagen wurde (siehe Artikel 9.3).


9.3 Die Partie ist remis aufgrund eines korrekten Antrages des Spielers, der am Zuge ist, falls
a) er einen Zug auf sein Partieformular schreibt und dem Schiedsrichter seine Absicht erklärt, diesen Zug ausführen zu wollen, der zur Folge habe, dass dann die letzten 50 aufeinander folgenden Züge eines jeden Spielers gemacht worden sind, ohne dass ein Bauer gezogen oder eine Figur geschlagen worden ist, oder
b) die letzten 50 aufeinander folgenden Züge eines jeden Spielers geschehen sind, ohne dass ein Bauer gezogen oder eine Figur geschlagen worden ist.


Es gibt also kein automatisches remis, sondern es muss beantragt werden. Beantragt werden kann es aber auch noch nach dem 50.Zug.

Meines Wissens gab es mal eine Regelung, dass bei bestimmten Stellungen, die nachweislich erst nach dem 50.Zug mit Matt enden, eine Ausnahme galt.
Dem ist aber nicht mehr so!

Hier noch eine Anfrage in dieser Hinsicht:
Mein Vereinskollege Joachim Vossenkuhl (Ratinger SK 1950) überraschte mich am 23.03.2002 mit
folgender Frage:
Hallo Deep White!
Ich habe eine Frage, die Du bestimmt locker beantworten kannst. Ich erstelle z. Zt. ein
Eröffnungsbuch mit meinen Varianten. Dieses Eröffnungsbuch lasse ich dann unter FRITZ auf dem
FRITZ-Server testen. Am nächsten Tag sehe ich mir dann die mäßigen Erfolge an. Dabei kam es zu
der Stellung Weiß: Kh1, Sa4, Ba3 - Schwarz: Ka8, Sb7, Sc5: Ich hatte Schwarz. Laut Cheron ist das
für die Seite mit den beiden Springern gewonnen, weil der letzte Bauer noch nicht weit vorgerückt ist.
Da ich die Tablebases für dieses Endspiel noch nicht geladen hatte, konnte FRITZ das leider nur
Remis spielen. Also habe ich mir die Tablebases aus dem Internet geladen. Und siehe da: Matt in
55!!
Fein, dachte ich, zu Lernzwecken wollen wir jetzt das Endspiel nachspielen und üben. Gesagt getan!
Ich spielte immer für beide Seiten die besten Züge (gem. Tablebases) und als diese ein „Matt in 5“
ankündigten, lachte FRITZ höhnisch auf: Remis wegen 50-Züge-Regel!
Willi - und nu?? Ich sage in der u. a. Stellung meinem Gegner mal eben locker Matt in 55 an - und der
lacht mich trotz meiner gigantischen Vorausberechnung aus?? Gut, werdet Ihr sagen. Wer kann das
schon im Mannschaftskampf? Aber stellt Euch vor, dass ist der entscheidende Kampf um den Aufstieg
in die Bundesliga??!!
Also Willi, habe ich Pech gehabt oder gibt es in diesem Fall eine Ausnahmeregelung von der 50-Züge-
Regel? Nebenbei, es gibt einen 6-Steiner (oder 7, ich bin mir da nicht so sicher) der ist erst nach 256
sinnlosen Zügen gewonnen! Also bis dann! Deep Draw
Hallo Deep Draw,
so es Dir gelingen sollte, in einem Mannschaftskampf Dein Gehirn zu einer Leistung dieses Niveaus
zu stimulieren, hast Du es - zumindest was die Punktausbeute betrifft - umsonst getan. Die FIDE hat
sich entschieden, derartige Leistungen nicht dem Schachsport, sondern eher der Schachkunst bzw.
Schachwissenschaft zuzurechnen. Sie ist damit von früheren Praktiken abgewichen.
Nun könnte man mit einigem Recht sagen, dass es nicht auf eine Ansage, sondern auf das praktische
Spiel ankommt. Aber genau das ist es: Im Fußball ist nach 90 Minuten Schluss (unabhängig davon,
wie die überlegene Mannschaft drängt) und im Schachsport eben nach 50 Zügen ohne Bauernzug
bzw. Figurenschlagen.
Frage zurück an den - hoffentlich! - regelkundigen Mannschaftsführer des RSK-Fernschachteams:
Was geschieht in der gleichen Situation beim Fernschach? Was sagen die ICCF-Bestimmungen?
Willi Knebel
G.H.
Georg Heinze
 
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